Astrologische Momentaufnahme

„Wie geht’s?“ wird einem oft gleich mit der Begrüßung zugeworfen. Natürlich hat diese Frage in dem Moment so einen Stellenwert  wie später das nachgewunkene „Schönen Tach noch!“ Man möchte einfach freundlich und zugewandt erscheinen…

Bei mir geht dann unweigerlich die innere Taschenlampe an, die mein  augenblickliches Seelenleben von allen Seiten beleuchtet. Klar, so genau will das ja keiner wissen, aber hier sei so viel gesagt: So doll isses im Moment nicht!

Da sind doch plötzlich wieder längst abgehakt geglaubte Themen auf der emotionalen Tagesordnung. Es geht um Selbstwert, innere Ressourcen, Eigenständigkeit im gesellschaftlichen Kollektiv, Selbstständigkeit auch beruflich, Sicherheit und: Bin ich auf dem richtigen Weg? Kurz: um ein gereiftes Erwachsensein jenseits der Lebensmitte.

Ich habe den Saturn im Steinbock im 2. Haus. Im Steinbock haben ihn alle, die Anfang der 60er Jahre geboren sind. Im 2. Haus haben ihn einige, die anderen haben ihn in einem der anderen insgesamt 12 Häuser. Und über diesen Saturn marschiert seit einigen Jahren (und noch einige mehr) vor und zurück der Pluto.  Pluto im Steinbock macht sich menschheitsgeschichtlich dadurch bemerkbar, daß deutlich wird: Einfach weiter so wird nicht mehr funktionieren! Alteingesessene Schummeleien fliegen auf, Tricks gehen plötzlich nach hinten los, schwelende Konflikte eskalieren, überholte Strukturen müssen gewaltsam beherrscht werden, der ökologische Mißbrauch läßt sich nicht mehr bagatellisieren und die ökonomischen Extreme geraten außer Kontrolle mit unabsehbaren Folgen.

Pluto deckt auf, macht das verborgen Gehaltene sichtbar, zerstört Glaubenssätze, die ihre Daseinsberechtigung verloren haben, zeigt Täter und Opfer. Und die mit Saturn im Steinbock sind individuell mit ca. einem Achtmilliardstel mehr oder weniger betroffen. Diese Generation, die als erste die eigene Befindlichkeit  ernst nimmt und ihr Leben danach ausrichtet.

Viele aus dieser Generation fragen sich im Moment: Bin ich in der richtigen Spur? Wo mache ich mir etwas vor? Wo gar regiert eine Lüge meinen Alltag? Lebe ich mein eigenes Leben oder das meiner Eltern (Vorfahren, Gesellschaft etc.)? Diese Bilanz  muß ganz nüchtern und ohne Tabus gezogen werden und ebenso die etwaige Korrektur der Lebenslinie – behutsam unter Berücksichtigung des Innens und Außens…

Es ist eine geeignete Zeit,  z.B. mit den Eltern ins Reine zu kommen, d.h. endgültig die Dinge, die in der Eltern-Kind-Beziehung Sinn gemacht haben, aber nicht mehr ins erwachsene Leben passen, loszulassen. In der Kindheit waren es im Allgemeinen die Eltern, die auf das Leben in der Gesellschaft vorbereitet haben in der Weise, wie es ihnen möglich war… Später sind diese Ermahnungen zu einer inneren Stimme geworden. Nun gilt es, diesen inneren Antreiber, perfekt, pflichtbewußt, effektiv, fleißig, der Arbeit ergeben und und und sein zu müssen, vom Dienst zu suspendieren und die Maßstäbe der eigenen Natur zu überlassen. Wenn man einfach mal innehält im alltäglichen Trubel, ist es oft interessant zu sehen, wie diese kindlichen Bezüge auf Arbeitgeber, Vorgesetzte oder sonstige Autoritätspersonen übertragen werden. Solange sie noch unbewußt und unreflektiert sind… In dieser Zeit spitzt sich manchmal eine Situation im Berufsalltag so zu, daß diese Projektionen entlarvt werden können. Das ist die große Chance, die Pluto-Transite bieten, denn dann kann man Verantwortung für sein Verhalten übernehmen und bleibt nicht in Anklagen und Vorwürfen stecken. So kann die ersehnte Souveränität für das eigene Handeln entstehen.

Und dann geschieht es: Phönix steigt aus der Asche, der Schmetterling verläßt seinen Kokon – frei und selbstbestimmt!

TEXT: UTE SIEGMANN

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